Gut für Hainbuche, Insekten und Menschen
- Martin Orthuber

- 6. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 26. Apr.

Eine unscheinbare Ecke im Amts-Naturgarten am Landgestüt am Hintereingang des ADBV Erding. Sie ist geprägt von Verdichtung, Versiegelung und funktionalen Restflächen.
Im Zentrum: eine alte Hainbuche (Carpinus betulus). Eingeengt zwischen Wegen und Mülltonnenhäusern, mit wenig durchlässigem Boden und kaum aktivem Bodenleben. Wasser und Nährstoffe waren schwer erreichbar.
Eine benachbarte Vogelbeere (Sorbus aucuparia) ist an diesen Bedingungen bereits gescheitert.
Im Rahmen einer Fördermaßnahme des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr (StMB) zur Steigerung der Biodiversität sollte die Hainbuche gestärkt und ihr dauerhafter Erhalt gesichert werden. Der Wurzelraum sollte erweitert, der Boden aktiviert und vor Austrocknung geschützt werden. Gleichzeitig sollte ein funktional geprägter Bereich in einen nutzbaren, lebendigen Gartenraum überführt werden.
Die Veränderung beginnt im Boden.
Durch gezielte Entsiegelung wurde die Fläche geöffnet. Wasser kann wieder versickern, Luft gelangt in den Boden, Bodenleben entwickelt sich neu.
Kein radikaler Umbruch, sondern ein kontrollierter Übergang: bestehende Strukturen bleiben erhalten, werden aber funktional erweitert.
Pflanzung unter Extrembedingungen
Unter der Hainbuche herrschen schwierige Bedingungen: Wurzeldruck, Verdichtung, Trockenheit, Schatten.
Die Antwort darauf ist keine aufwendige Bodenbearbeitung, sondern die richtige Pflanzenauswahl und ein reduzierter Eingriff:
punktuelle Pflanzlöcher statt flächigem Umbruch
gezielte Kompostgaben zur Aktivierung
dünne Mulchschicht als Schutz
Verwendet wurden robuste Schattenstauden, Gräser und Farne. Arten, die sich nicht gegen den Standort stellen, sondern ihn nutzen.
Sie übernehmen in der Anfangsphase zentrale Funktionen: Boden schützen, Humus aufbauen, Bodenleben fördern, erste ökologische Stabilität schaffen.
Ergänzt wird die Pflanzung durch gezielt eingesetzte Elemente:
Totholz als Lebensraum
Steine als strukturgebende und wärmespeichernde Elemente
Gestaltung und Funktion greifen ineinander. Was ruhig wirkt, ist ökologisch aktiv.
Auch die Nutzung des Ortes verändert sich.
Die Wegeführung wird klarer. Besucher treten nicht mehr auf Baumwurzeln herum und bewegen sich durch Mülltonnenhäuschen hindurch, sondern werden an der Pflanzung vorbeigeführt.
Das langfristige Gerüst
Ein prägendes Element entfaltet seine Wirkung erst mit der Zeit: Eiben.
Sechs unterschiedliche Formen wurden integriert. Heute noch einzeln erkennbar, entwickeln sie sich zu einem zusammenhängenden, immergrünen Gefüge.
Sie strukturieren, verbinden und beruhigen den Raum. Mit zunehmendem Wachstum binden sie auch angrenzende Elemente ein.
Die Fläche wirkt heute noch offen. Das ist Teil des Konzepts.
In den kommenden Jahren schließen sich die Strukturen: Stauden verdichten sich, Boden wird dauerhaft bedeckt, Mikroklima stabilisiert sich.
Parallel dazu übernehmen die Eiben zunehmend die Führung. Das Bild verschiebt sich von einer offenen, krautigen Struktur zu einem ruhigen, immergrünen Raum.
Diese Fläche zeigt, was naturnahe Gestaltung leisten kann.
Kein fertiges Bild, sondern ein Prozess. Kein kurzfristiger Effekt, sondern eine Entwicklung.
Aus einer versiegelten, funktionsarmen Ecke entsteht Schritt für Schritt ein klimaresilienter, artenreicher Gartenraum.
Gut für die Hainbuche. Gut für Insekten. Gut für die Menschen, die ihn täglich nutzen.











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