Brandkraut trotzt Hitze und Schotter


Gut ein Dutzend Brandkräuter (Phlomis russeliana) hat mir Landschaftsarchitektin Hanne Roth Anfang August geschenkt. Auf unserer gemeinsamen Exkursion zu Spezialgärtnereien in der Schweiz und am Oberrhein konnte auch sie es nicht lassen: Ihr Auto kehrte voller Raritäten nach Ingolstadt zurück. Daheim musste Platz geschaffen werden.
Das Brandkraut hatte sich im Laufe der Jahre in ihrem Garten selbst versamt. Einige Pflanzen gediehen sogar in trockenen, verdichteten Schotter- und Sandwegen. Zu schade zum Entsorgen – und genau richtig für eine Extremfläche am Finanzamt Erding.
Dort sollte vor vielen Jahren ein Parkplatz entstehen. Der Boden wurde bereits mit Schotter aufgefüllt und verdichtet, der Parkplatz aber nie gebaut. Geblieben ist ein harter, magerer Untergrund, der sich in der Sonne stark aufheizt.
Die Pflanzlöcher musste ich mit dem Pickel schlagen. Mehr als 30 Grad Celsius, trockener Boden und Wind verschärften den Schock des Umpflanzens. Deshalb habe ich die Brandkräuter mit Totholz umgeben. Die Äste brechen den Wind, beschatten den Boden und bremsen die Verdunstung. Zugleich fangen sie Laub auf und speichern mit fortschreitender Zersetzung mehr Feuchtigkeit.
Die Umsiedler haben die Hitzewelle bislang gut überstanden. Im Herbst bekommen sie Gesellschaft von Pionierarten wie Königskerze, Natternkopf, Wegwarte und verschiedenen Disteln. Die Pflanzung soll den schwierigen Standort nicht verdecken, sondern mit ihm arbeiten.
Bereits eingezogen ist ein Sanddorn: Hippophae rhamnoides ‘Krasavice’. Jan Kalivoda, Inhaber der Raritätengärtnerei in Arnbruck, hatte ihn mir im vergangenen Jahr zur Landesgartenschau in Furth im Wald mitgebracht. Ob und wie stark die Sorte im Freiland Ausläufer bildet, wird sich zeigen. Auf dieser Fläche gehe ich das Risiko bewusst ein. Hier ist jede Pflanze ein Gewinn, die im verdichteten Schotter dauerhaft Fuß fasst.
Die ökologische Aufwertung des Geländes erfolgt im Auftrag des Staatlichen Bauamts Freising. Die Maßnahme wird durch das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr gefördert.





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