Dem Klimawandel entgegenwachsen
- Martin Orthuber

- vor 2 Minuten
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Noch trockener als bei uns, noch einige Grad heißer: In Teilen der Schweiz und am Oberrhein lässt sich bereits erahnen, was der fortschreitende Klimawandel für unsere Pflanzenwelt bedeutet.
Gemeinsam mit Hanne Roth und Ferdinand Graf von Luckner besuchte ich den Schweizer Ökologen Dr. Vincent Fehr in seiner Zukunftsgärtnerei Florafutura in Wiesendangen.
Weitere Stationen waren der Landschaftsgärtner Andreas Wiedmaier in Freiburg, Frank Fischers Salbeigarten in Umkirch und die Gärtnerei von Ewald Hügin in Munzingen. Sie alle sind Spezialisten für florale Raritäten und Pflanzen, die Hitze und Trockenheit trotzen sollen.
Die Eindrücke dieses Wochenendes waren bedrückend. Felder und Wiesen lagen vielerorts braun in der Sonne. Zahlreiche Gehölze zeigten deutliche Trockenschäden oder hatten ihr Laub bereits vollständig abgeworfen. Selbst Stauden und Bäume, die als trockenheitsverträglich gelten, stießen sichtbar an ihre Grenzen.
Die Reise wurde deshalb auch zur Suche nach Pflanzen für das Klima von morgen. Ich nutzte die Gelegenheit, mich von Vincent sowie den erfahrenen Pflanzenkennern Hanne und Andreas beraten zu lassen. Am Ende standen rund 100 Pflanzen in meinem Transporter.
Ihr neuer Versuchsraum ist mein derzeit größtes Projekt: der ehemalige Klostergarten des Finanzamtes Erding. Dort sollen sie bestehende Pflanzungen ergänzen und zeigen, welche Arten und Pflanzengemeinschaften unter den Bedingungen der Zukunft bestehen können.
Ein Risiko bleibt. Nicht jede Pflanze, die Hitze und Trockenheit verträgt, übersteht auch einen strengen bayerischen Winter. Gute Chancen räume ich Acer monspessulanum, dem Französischen Ahorn, sowie Quercus infectoria und Quercus pyrenaica, der Aleppo- und der Pyrenäen-Eiche, ein. Ich pflanze sie als junge Sämlinge. So können sie von Anfang an am Standort einwurzeln und dort ihr eigenes Wurzelsystem entwickeln.
Mehr Wagnis steckt in Albizia julibrissin ‘Ombrella’, dem Seidenbaum, und erst recht in Arbutus unedo, dem Erdbeerbaum. Beide brauchen einen warmen, geschützten Platz. Kalte Winter werden zeigen, ob sie sich in Erding behaupten können.
Einige Pflanzen sollen den experimentellen Charakter bewusst sichtbar machen. Dazu gehören winterharte Opuntien – Ohrenkakteen – und Trachycarpus princeps × wagnerianus, eine besonders frostharte Hanfpalmen-Kreuzung. Sie stehen für die Suche nach einer neuartigen, klimaresilienten Pflanzengemeinschaft: einem möglichen Baustein für ein artenreiches Novel Ecosystem.
Nach diesem Extremsommer steht für uns fest: Wir können nicht darauf warten, dass geeignete Arten von selbst einwandern. Wir müssen vorausschauend auswählen, mutig erproben, genau beobachten und aus Ausfällen lernen. Nur so können Pflanzengemeinschaften entstehen, die auch morgen vielfältig, lebendig und stabil bleiben.

















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