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Zukunftspflanzen im Praxistest

Autorenbild: Martin Orthuber
Martin Orthuber
23. Aug.
2 Min. Lesezeit

Winterharte Ohrenkakteen wie die Opuntien ‘Freiberg’ und ‘Rom’, eine seltene Hybride aus Marmor- und Wagners Hanfpalme (Trachycarpus princeps × wagnerianus) sowie eine Yucca rostrata: Die ersten Versuchspflanzen aus der Zukunftsgärtnerei Florafutura haben ihre Plätze im ehemaligen Klostergarten des Erdinger Finanzamts eingenommen.


Mitgebracht habe ich sie von unserem Besuch beim Schweizer Ökologen Vincent Fehr. Auch Sämlinge von Aleppo-Eiche (Quercus infectoria) und Pyrenäen-Eiche (Quercus pyrenaica) sind bereits gepflanzt. Beide versprechen eine höhere Trockenheitstoleranz als die bei uns verbreiteten Eichen. Hinzu kommt ein Französischer Ahorn (Acer monspessulanum), der unter den künftigen Klimabedingungen auch in unseren Grünanlagen eine größere Rolle spielen könnte.



Besonders viel Aufmerksamkeit bekommt der Seidenbaum (Albizia julibrissin). Kurz nach der Pflanzung hat er bereits seine erste Blüte geöffnet. Kalifornischer Lorbeer, Erdbeerbaum, Spanischer Ginster und Zistrosen ergänzen die kleine Auswahl. Ausgesucht habe ich sie gemeinsam mit Vincent Fehr, Landschaftsarchitektin Hanne Roth und dem Freiburger Landschaftsgärtner Andreas Wiedmaier.


Die Pflanzen verfolgen unterschiedliche Strategien. Einige stammen aus heißen, sommertrockenen Regionen. Andere verbinden Trockenheitstoleranz mit erstaunlicher Frosthärte. Entscheidend wird nicht nur der Sommer. Kahlfrost, Winterfeuchte und starke Temperaturschwankungen könnten für manche Arten zur eigentlichen Bewährungsprobe werden.


Mit dem Klima verändern sich auch die Pflanzengemeinschaften. In der Ökologie spricht man von „Novel Ecosystems“: neuartigen Lebensgemeinschaften aus heimischen und nicht heimischen Arten, die unter veränderten Bedingungen entstehen.


Am Finanzamt ersetzen die Versuchspflanzen deshalb nicht die heimische Vegetation. Sie ergänzen sie punktuell.


Welche Arten sich in Erding dauerhaft behaupten, lässt sich nicht am Schreibtisch entscheiden. Wir müssen sie pflanzen, beobachten und daraus lernen. Manche werden wachsen. Manche werden scheitern. Beides liefert Erfahrungen, die wir für klimaresiliente Grünanlagen brauchen.


Die ökologische Aufwertung des Geländes erfolgt im Auftrag des Staatlichen Bauamts Freising. Die Maßnahme wird durch das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr gefördert.



 
 
 

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