Eiben als tragendes Gerüst der Zukunft
- Martin Orthuber

- 6. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 3 Tagen

Der Standort in der Nähe der alten Hainbuche am Hintereingang des Amts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung ADBV Erding ist anspruchsvoll:
Schatten, dichter Wurzelfilz, verdichteter Boden, im Sommer trocken.
Kein Ort für empfindliche Pflanzen.
Aber ein idealer Ort für eine der robustesten heimischen Gehölzarten: die Eibe.
Eiben sind anpassungsfähig. Sie tolerieren Wurzeldruck, kommen mit wenig Licht aus und bleiben auch bei Trockenheit stabil.
Immergrün, schnittverträglich, langlebig. Sie bringen Ruhe in einen Raum, der bislang unstrukturiert und funktional ungelöst war.
Sechs Sorten – ein zusammenhängendes Bild
Verwendet wurde bewusst nur eine Art – Taxus baccata. Und dennoch entsteht Vielfalt.
Taxus baccata (Wildform)
ruhig, anpassungsfähig, langfristig prägend
Taxus baccata ‘Dovastonii Aurea’
gelbliches Laub, lockerer, überhängender Aufbau – Licht im Schatten
Taxus baccata ‘Dovastoniana’
breit, ausladend, charaktervoll – entwickelt sich zum Solitär mit Haltung
Taxus × media ‘Hillii’
dicht, kompakt, gut formbar – das stabile Rückgrat
Taxus baccata ‘Fastigiata Robusta’
streng aufrecht, klar vertikal – ordnendes Element
Taxus baccata ‘Repandens’
flach wachsend, verbindend – schließt den Boden
Unterschiedliche Wuchsformen, Grüntöne und Strukturen greifen ineinander. Heute noch Einzelpflanzen – künftig ein zusammenhängendes Gefüge.
Eiben wachsen langsam. Ihr Charakter zeigt sich nicht im Pflanzjahr, sondern über Jahrzehnte.
Die Eiben übernehmen den Raum. Sie binden die Umgebung ein und lassen technische Elemente verschwinden. Auch die Mülltonnenhäuser treten mit der Zeit zurück – verdeckt, integriert, Teil des Ganzen.
Durch Schnitt lassen sich die Pflanzen lenken: zurücknehmen an den Wegen, entwickeln in die Fläche, aufbauen in die Höhe.
Charakter statt Baumschulform
Dass die Schönheit erst mit der Zeit entsteht, wird besonders deutlich bei den beiden Dovastoniana.
Nach Jahren in der Baumschule – regelmäßig verpflanzt, zurückgeschnitten, kompakt gehalten – beginnt jetzt die eigentliche Entwicklung.
Die Triebe lösen sich aus der strengen Form. Die typische, leicht überhängende Struktur entsteht.
„Adlerschwinge“ ist ihr deutscher Beiname.
Mehr als nur Struktur
Eiben erfüllen nicht nur eine gestalterische Funktion.
frühe Blüten liefern Pollen für Insekten
rote Samenmäntel dienen Vögeln als Nahrung
dichte Zweige bieten Schutz- und Nistplätze
Gerade im Schatten entsteht so ein wertvoller Lebensraum.
Zusätzlich verbessern sie das Mikroklima: Sie bremsen Wind, kühlen im Sommer und reduzieren Austrocknung.
Nicht die Kerne zerbeißen
Die Eibe gilt als giftig. Das ist korrekt – fast alle Pflanzenteile enthalten toxische Inhaltsstoffe. Aber:
der rote Fruchtmantel ist ungiftig
nur die Kerne im Inneren sind hochgiftig
Gefahr entsteht nur durch aktives Zerkauen vieler Kerne
Im Alltag besteht kein Risiko. Eiben sind seit Jahrhunderten fester Bestandteil von Gärten und öffentlichen Anlagen.
Ein Garten in Entwicklung
An dieser Pflanzung wird besonders deutlich, dass ein Naturgarten kein Museum ist, das durch Rückschnitt und missverstandene Pflege in jedem Jahr gleich aussieht. Eines Tages wird hier ein ökologisch wertvolles Gefüge stehen, ein immergrünes, bezauberndes Eibenwäldchen im Amts-Naturgarten am Landgestüt.

















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